Corona Pandemie Labor

Corona-Krise – die Welt im Ausnahmezustand

Epidemie – Pandemie – Apokalypse? Das Corona Virus, mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Covid-19 (SARS-CoV-2), hat die Welt fest im Griff. Die Bilder aus den großen Städten und Metropolen gleichen sich und vermitteln Endzeitstimmung. Überall dort, wo früher das Leben pulsierte und emsige Betriebsamkeit herrschte, ist Stillstand. Ein Erreger, von seinem Aufbau her derart simpel, dass er von der Wissenschaft streng genommen nicht einmal als Lebewesen eingestuft wird, destabilisiert ganze Nationen und bringt Witschaftskreisläufe und Gesundheitssysteme an den Rand des Zusammenbruchs.

Wie Viren den Weg zum Menschen finden

Flughunde hängendEs ist nicht das erste Mal, dass gefährliche Erreger ihren Weg vom Tier zum Menschen finden. Erst vor wenigen Jahren sorgte die sogenannte Vogelgrippe für eine ziemliche Hysterie. Damals war die Bedrohungslage verglichen mit dem Corona-Virus allerdings eher vernachlässigbar. Dennoch plünderten die Menschen die Apotheken und deckten sich mit dem Grippe-Medikament Tamiflu ein, wovon vor allem die Pharmaindustrie profitierte. Dieses Medikament hilft zwar bei der klassischen Influenza, ist aber bei anderen verwandten Erregern wirkungslos – zudem stellten später durchgeführten Studien fest, dass die Nebenwirkungen durchaus gravierender ausfallen können, als angenommen.

Die klassischen Kinderkrankheiten, Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken, sprangen in der Vergangenheit ebenfalls vom Tier auf den Menschen über. Höchstwahrscheinlich zu der Zeit, als unsere Vorfahren begannen sesshaft zu werden und ihre Lebensweise vom Jäger und Sammler zum Viehzüchter änderten. Das enge Zusammenleben mit Tieren ermöglichte diesen Wirtswechsel; ein Immunsystem aber, das mit einem bestimmten Typ von Erreger noch nie zuvor konfrontiert war, hat keine passende Antwort parat. Als lernfähiges System kann es erst effektiv einen Eindringling bekämpfen, wenn es diesen durch eine frühere Infektion kennengelernt und eine „Strategie“ für die Bekämpfung entwickelte. Genau an dem Punkt setzen Impfungen an: Mit einem abgeschwächten Erreger oder mit seinen „Bruchstücken“ wird eine „schwache Infektion“ ausgelöst, so dass sich unser Immunsystem für die Zukunft darauf einstellen und Antikörper entwickeln kann.

Das Corona-Virus ist für den Menschen neu und derzeit besitzt der menschliche Organismus keine passende Immunantwort. Wie andere Erreger stammt Covid-19 dabei aller Wahrscheinlichkeit vom Tier. Von welcher Tierart genau, ist jedoch noch nicht sicher geklärt. Im Verdacht stehen besonders Fledermäuse. Nach den Angaben von chinesischen Forschern wurden im Erbgut von Corona-Viren von infizierten Personen aus Wuhan, der chinesischen Stadt von der aus die Epidemie ihren Anfang nahm, Sequenzen nachgewiesen, die zu 96 Prozent identisch mit einem Corona-Virus sein sollen, der bei Fledermäusen vorkommt. Fledertiere beherbergen ein Vielzahl von Viren, die auf den Menschen überspringen können. In manchen Fällen direkt, in anderen gibt es noch einen Zwischenwirt wie das Schuppentier Pangolin, das auf den Wildtiermärkten eines der meist gehandelten Tiere ist.

Warum eine schnelle Immunisierung unrealistisch ist

Impfung mit SpritzeRein rechnerisch wäre der schnellste Weg, um unser Immunsystem mit dem Virus „vertraut zu machen“, uns dem willkürlich auszusetzen; also im Grunde genau das Gegenteil von der „Lockdown-Strategie“, die in den meisten Ländern verfolgt wird. Dies würde schnell zu der sogenannten Herdenimmunität führen: Bei einen „Durchseuchungsgrad“ von 60-70 Prozent, würden in der Folge so viele Menschen immun, dass die weitere Ausbreitung des Virus ausgebremst würde. Klingt vielleicht logisch, käme aber einer Katastrophe gleich. Die Infektion mit Covid-19 mag bei 80 Prozent der Menschen „moderat“ verlaufen; bleiben aber 20 Prozent, die schwer oder sehr schwer erkranken können – und fünf Prozent, die sogar intensivmedizinische Versorgung mit entsprechender Beatmung bedürfen. Nach aktuellen Schätzungen würde bei einer ungebremsten Ausbreitung des Corona-Virus bald für über eine Million Menschen ein Krankenhausaufenthalt notwendig. Bundesweit stehen aber lediglich 30.000 Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit zur Verfügung.

Würde der Erreger also unkontrolliert um sich greifen, käme es blitzschnell zu einer massiven Überlastung unserer Kapazitäten in den Krankenhäusern und zu einem Kollaps unserer Gesundheitsversorgung. Wie die traurige Situation in Italien beweist, dessen öffentliches Lebens inzwischen weitestgehend zum Stillstand gekommen ist, kann der Corona-Virus eine extrem hohe Sterblichkeit nach sich ziehen. Und betroffen sind nicht nur „alte Menschen“. Personen mit Vorerkrankungen wie Herz- oder Lungenleiden, Immunschwächen, Krebs oder Diabetes sind ebenso stark gefährdet. Das Durchschnittsalter der Infizierten liegt bei 45 Jahren. Es stellt sich vor allem auch die Grundfrage, welche Ethik wir unserer Gesellschaft vertreten wollen? Durch eine schnelle Infektion der Mehrheit der Bevölkerung eine Herdenimmunität zu schaffen, gliche einer darwinistischer Selektion – mit den besseren Überlebenschancen für die vermeintlich Stärkeren.

Die aktuelle Strategie, durch weitgehende Vermeidung von Sozialkontakten die Neuinfektionsrate zu senken, mag rigide erscheinen, ist sicher aber nicht nur die vernünftigere Alternative, sondern auch die einzig sinnvolle und praktikable. Bleibt die Zahl der neuen Infektionen unter den Kapazitäten der Krankenhäuser kann die Ausbreitung kontrolliert ablaufen. Einziger Nachteil ist, dass sich durch die Verlangsamung des Verlaufes auch die Dauer der Epidemie hinziehen wird. Bis sich auf diese Weise dann die Herdenimmunität einstellt, können durchaus zwei bis drei Jahre vergehen. Ein sicherer Impfstoff würde helfen. Optimistische Stimmen sprechen von einer Verfügbarkeit im Herbst, andere sehen ihn eher im Frühjahr 2021. Verlässlich sind solche Aussagen nicht. Und möglicherweise sind die Ansätze ein wirksames Medikament zu finden vielversprechender. Als Kandidaten gelten Wirkstoffe, die für die Bekämpfung von HIV, Ebola oder Malaria entwickelt wurden.

Was wir in der Zukunft besser machen könnten

Stoppuhr DeadlineDie Corona-Pandemie zeigt eindringlich die Schwächen unserer globalisierten Welt auf. Die rasante Ausbreitung des Erregers konnte derart schnell nur durch den weltweiten Flugverkehr vonstatten gehen. Zu verhindern war das sicher nicht. Die rasante Verbreitungsgeschwindigkeit verkürzte allerdings die Reaktionszeit. Blauäugig war vor allem anzunehmen, dass der Corona-Virus ein chinesisches Problem bleiben würde. Und geradezu unverantwortlich war es, zu einem Zeitpunkt, zu dem die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Situation bereits als „weltweiten Notfall“ eingestuft hatte (am 31. Januar) noch ungerührt Karneval zu feiern. Politik und Wirtschaft stellen zudem überrascht fest, dass die Verlagerung der Produktion ins Ausland, von wichtigen medizinischen Gütern wie Schutzkleidung und Atemmasken, im Krisenfall dazu führt, dass plötzlich ein gravierender Mangel daran herrscht. Vergleichbar könnte sich die Lage bei Medikamenten entwickeln. Ein Großteil der Grundstoffe, die für die Herstellung benötigt wird, stammt aus China oder Indien. Gelangt dort die Produktion zum Stillstand, könnte schlimmstenfalls die Versorgung mit Antibiotika und anderen wichtigen Arzneimitteln nicht mehr gegeben sein. Es mag übertrieben konservativ klingen oder beinahe in einem „national-ideologischen Denken“ beheimatet, aber sich aus rein ökonomischer Motivation komplett vom Ausland abhängig machen, birgt massive Risiken, gerade bei solch essentiellen Gütern.

Die Folgen dieses Profitdenkens spiegeln sich auch im Mangel an Fachpersonal im pflegerischen Sektor wider. Die zunehmende Ökonomisierung des Gesundheitssektors trug sicherlich dazu bei, dass pflegerische Berufe nicht mehr sonderlich beliebt sind. Die Bezahlung ist überwiegend schlecht, das Arbeitspensum und die persönlichen Belastungen hoch und die allgemeine Wertschätzung gering. Gerade die Menschen in diesen Berufen bilden aber das Rückgrat unserer Gesellschaft. Und in Zeiten der Corona-Krise umso mehr. Hier wird nach der Zeit der Epidemie politischer Handlungsbedarf sein, um für die Zukunft bessere Weichen zu stellen. Das betrifft auch den Krankenhausbetrieb im Ganzen. Wir können angesichts der Epidemie noch von Glück reden, dass wir die klinische Versorgung nicht zurückgefahren haben. Das Deutschland vergleichsweise gut dasteht, liegt daran, dass wir flächendeckend über viele Krankenhäuser verfügen. Doch auch hier wurden die Anzahl der Krankenhausbetten kontinuierlich reduziert. Für die Zukunft muss in Frage gestellt werden, ob Krankenhäuser weiterhin vorrangig wie gewinnorientierte Wirtschaftsunternehmen geführt werden müssen und unser Gesundheitssystem immer weiter auf ökonomische Effizienz getrimmt werden sollte.

Wann immer diese Krise vorbei sein wird, sie wird ihre Spuren hinterlassen. Die Welt wird nach Corona nicht mehr dieselbe sein. Die genauen Folgen sind derzeit aber kaum absehbar. Unsere Gesellschaft und die Wirtschaft werden sich sicher neu aufstellen müssen. Finanzielle Reserven sind hierfür offenbar ausreichend vorhanden. Der Deutsche Staat mobilisiert ein Gesamtpaket von 700 Milliarden Euro als Hilfsprogramm, um der Lage Herr zu werden, und die Europäische Zentralbank macht ebenfalls gewaltige Summen locker: 750 Milliarden zur Stützung der Eurozone, weitere Gelder nicht ausgeschlossen. Genau an diesem Punkt bietet sich nun die Chance, aus dieser Krise für die Zukunft zu lernen und für einen Umbau zu einer gerechteren Wirtschaft und einer solidarischeren Gesellschaft. Es bleibt aber ein frommer Wunsch, angesichts der Tatsache, dass wir uns immer noch fast ausschließlich mit uns selbst beschäftigen. Der wahre Corona-Supergau könnte indes durchaus erst noch eintreten, sobald die Infektion in Afrika und Indien ungehemmt um sich greift. Und in der USA gelingt es dem Staatsoberhaupt sogar die Realität komplett auszublenden, Hauptsache die Produktion läuft wieder an.

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