Donald Trump und Europa Flagge

Populismus auf dem Vormarsch

„Make America great again“, lautete eine der Kernbotschaften in Donald Trumps Wahlkampf. Dieser Slogan ist weder neu, noch stammt er von ihm. Ronald Reagan nutzte diesen nahezu identisch bereits 1980 erfolgreich. Das verbundene Versprechen auf ein besseres Auskommen und die Aufpolierung des patriotischen Selbstwertgefühls wirken verführerisch. Vergleichbare Parolen haben hierzulande auch schon funktioniert: Mit „Mehr Netto vom Brutto“ erzielte die FDP bei der Bundestagswahl 2009 über 14 Prozent. Üblicherweise gehören vor allem Besserverdienende, Selbstständige und Unternehmer zum Wahlklientel der Liberalen, aber selbst bei Niedriglöhnern und Hartz-IV-Empfängern verfing die Botschaft damals.

Die Sprache der Wähler sprechen

Die Einfachheit und Direktheit solcher Slogans trifft offensichtlich den Nerv vieler Menschen und holt sie mit ihren Wünschen und Hoffnungen ab. Die aufgeblähte Krawallrhetorik Trumps, die an einen pubertierenden Rabauken erinnert, hat zudem Methode. Mit seiner simplen aber eingängigen Wortwahl erweckt er, trotz der sozialen Unterschiede, den Eindruck, er wäre einer von ihnen. Das schafft Vertrauen. Und selbst wenn Trump mit rüpelhaften Attitüden diffamierend und beleidigend auf alles einprügelt, was ihm nicht in den Kram passt, wird ihm dies großzügig verziehen. Ganz so, als sei er ein Lausbub, bei dem schon mal ein Auge zugedrückt werden kann.

Traditionsreiche Zeitungen wie die New York Times und Sender wie CNN führen währenddessen einen aussichtslosen Kampf gegen Windmühlen. Alle Versuche, jenen Teil der Bevölkerung zu erreichen oder gar wachzurütteln, der Trump die Sprücheklopferei abkauft, verpuffen sang und klanglos. Diese Menschen informieren sich ohnehin nicht bei traditionellen journalistischen Medien. Aus ihrer Sicht sind diese wenig oder gar nicht vertrauenswürdig. Bei einer großen Zahl derer, die Trump wählten und vermutlich auch wiederwählen würden, entsteht das Weltbild durch Dauerberieselung von Fox-News. Einem streng patriotischen und konservativen TV-Sender, der als persönliche PR-Agentur des US-Präsidenten fungiert. Es mag folglich nicht verwundern, dass Trump in der Wählergruppe weißer Männer ohne College-Abschluss bei der Präsidentschaftswahl 2016 satte 72 Prozent erzielte.

Tiefgreifender Vertrauensverlust

Die Ursachen, die dazu führten, dass so viele Menschen dieser Stimmungsmache in dem Ausmaß aufsaßen, wurzeln insgesamt jedoch tiefer. Unter den Trump-Wählern finden sich schließlich auch solche, die vorher zweimal Obama wählten. Der massive Vertrauensschwund in die regierende Klasse, dem sogenannten Establishment, mag ausschlaggebend sein. Viele Menschen aus einfachen Verhältnissen nehmen seit Jahrzehnten keine nennenswerte Veränderung ihrer problematischen Lebensumstände war, ganz gleich wer die Zügel der Macht in Händen hält. Im Gegenteil: Verunsicherung und Existenzängste wachsen. Und durch Freihandelsabkommen, die in den USA in der Vergangenheit auch von den Demokraten auf den Weg gebracht wurden, war es einen großen Teil der amerikanischen Schwerindustrie möglich, die Produktion in „Billiglohnländer“ zu verlagern. Das führte zu erheblichem Stellenabbau. Zuletzt beraubte noch die Finanzkrise, die aus dem Platzen der Immobilienblase resultierte, viel Tausende ihrer Eigenheime. Gerade in dieser Situation scheinen die Menschen empfänglich für die Verkündigungen falscher Propheten.

Zugleich wächst vielerorts die Sehnsucht nach „starken Männern“, die den überforderten Bürgern die Verantwortung abnehmen sollen. Die Entscheidungen der Volksvertreter wirken oft genug wenig nachvollziehbar. Die Menschen registrieren, wie die Verquickung von Politik und Wirtschaft immer wieder zu einseitigen Vorteilsnahmen und Ungleichbehandlungen führt. Und der Eindruck festigt sich, dass die Regierenden im Grunde nur danach streben, ihre eigene Macht zu erhalten und die privilegierten Stellungen bestimmter „Eliten“ zu sichern. Das Ohnmachtsgefühl, das daraus resultiert, bereitet Manipulatoren und falschen Propheten den Weg.

Verzerrte Wahrnehmung

Vermeintliche Heilsverkünder nutzen die Frustration und Verdrossenheit der Bürger, spielen auf der Klaviatur der Ängste und fördern konsequent Feindbilder. Menschen, die vor Krieg, Elend und Not in ihren Heimatländern fliehen, werden kurzerhand zu „unkontrollierten Strömen verbrecherischer Migranten“ umgedeutet. Durch die verzerrte Perspektive dieses neuen Wahrnehmungsrasters betrachtet, schicken sie sich an, das Land mit Terror, Drogen und Kriminalität zu überschwemmen. Und natürlich nehmen sie all den braven weißen Bürgern die Arbeitsplätze weg. Als „Schutzmaßnahme“ müssen gigantische Mauern errichtet werden.

Diese rigorose Form von Protektionismus ist längst nicht mehr allein für die USA charakteristisch. Auch Europa schottet sich ab; mit Stacheldraht und verstärktem Militäraufgebot an den Grenzen und mit menschenunwürdiger Kasernierung in Auffanglagern. Die sprachliche Umgestaltung der Realität hat bei uns ebenfalls längst Einzug gehalten: Kopftuchmädchen, Messermänner und Taugenichtse stehen in manchen Kreisen ganz selbstverständlich auf der sprachlichen Agenda. Tabubrüche verschieben das Maß des „Erlaubten“ immer weiter in einem Bereich, der früher ausschließlich den radikalen Flügeln vorbehalten war. Was ehemals als „unvorstellbar“ galt, wird in immer größer werdenden Teilen der Bevölkerung konsensfähig. Und selbst die „seriösen Medien“ begünstigen dies mit ihrer Berichterstattung, indem sie, gewollt oder nicht, den Populisten die Bühne bereiten. Nicht darüber zu berichten, würde anderseits den Demagogen das Feld kampflos überlassen.

 

2 Kommentare

  1. Leider nur zu wahr. Alles scheint auf eine Krise der Demokratie und Rechtsstaatlichkeut zuzulaufen, ob in Ungarn, Polen, Frankreich, der Türkei, Schweden … und etwas zögerlicher auch bei uns.

  2. Traurig, aber leider nur zu wahr! Vor ungefähr neunzig Jahren erklärte ein brauner Massenmörder und Diktator, dass sich eine gute Propaganda/Rede immer an dem geistig schwächsten in der Masse zu orientieren hat. Leider ist diese Vorgehensweise immer noch ein Erfolgsrezept.

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