Smartphone

Web 3.0: Geburtsstunde einer neuen Welt

Das Internet stellt den größten Wissensspeicher der Menschheit dar. Mit dem Smartphone war es noch nie einfacher, diese neue digitale Welt buchstäblich in Händen zu halten. Spielend leicht lässt sich mit wenigen Klicks auf eine schier unbegrenzte Menge an Information zugreifen. Und anders als es in manchen Legenden kursiert, wurde das Internet tatsächlich zu einem ähnlichen Zweck erschaffen und anfänglich genutzt, um Großrechner verschiedener Universitäten zu vernetzen und deren Rechenleistung effizienter zu nutzen.

Zum ersten Mal gelang dies im Jahr 1969, aber erst Pioniere wie Tim Berners-Lee legten in den 90er-Jahren die technischen Grundlagen für das heutige World Wide Web. Ein wesentlicher Meilenstein war der erste richtige Browser, Mosaic genannt, der in der Lage war, Inhalte grafisch darzustellen. Spätestens damit wurde der Grundstein für die Revolution gesetzt, die zum beispiellosen Siegeszug des Internets führte, als das dominierende Informationsmedium des 21. Jahrhunderts.

Information verkommt zur Gebrauchsware

Als globales Kommunikationsnetzwerk ist das Internet heute nicht mehr wegzudenken. Viele Menschen nutzen es mehrere Stunden täglich. Inzwischen existiert sogar eine Generation, die eine Zeit ohne das Internet nie kennen gelernt hat. Deren Verhalten bei der Informationsbeschaffung ist nicht mehr linear, also von der aufeinander folgenden Nutzung von Wissensquellen geprägt. Sie bewegen sie sich parallel auf diversen digitalen Plattformen und nehmen impulsartig Inhalte auf. Wer aber simultan und sprunghaft auf beliebig viele Inhalte zugreift, verliert schnell jegliches Gefühl und die Vorstellungskraft für die Entwicklungen, die in der Menschheitsgeschichte notwendig waren, um das Fundament dieses Wissensschatzes zu errichten.

Fachartikel, Berichte über Naturkatastrophen, die aktuellen Sportmeldungen oder schlüpfrige Details über das amouröse Verhalten irgendwelcher C-Promis, alles fließt kurzlebig und gewissermaßen „gleichberechtigt“ nebeneinander. Auf den Displays mobiler Endgeräte wird während dessen zügig von einem Thema zum nächsten gewischt. Jegliche Gewichtung der Informationen nach ihrer gesellschaftlichen Relevanz geht im roboterhaften Rhythmus verloren. Ohne sich Wissen Schritt für Schritt zu erarbeiten, ist es jedoch nahezu unmöglich, der gefundenen Information einen Wert beizumessen. Und ohne ein Bewusstsein für die Leistung der Menschen, die die Urheber dieser Informationen waren, scheint häufig auch das moralische Empfinden zu versagen. Lehrer und Dozenten stellen immer wieder fest, dass halbe oder ganze Hausarbeiten aus Texten im Internet ohne jegliches Unrechtsbewusstsein zusammengeschustert wurden.

Kampf mit der Hydra

Die Art und Weise wie Nachrichten verbreitet und aufgenommen werden, wandelte sich ebenfalls durch die digitale Neuordnung. Auf der Habenseite steht, dass das Internet Information auf eine nie zuvor dagewesene Weise demokratisierte. Sogenannte Whistleblower können plötzlich Fakten offen legen, die vor der Ära des Internets vermutlich nie das Licht der Öffentlichkeit erblickt hätten. Auf der anderen Seite gelangt jetzt Propaganda und gezielte Desinformation, ungefiltert und als solche schwer identifizierbar, zu den Menschen. Dieser Missbrauch der Medien existierte schon früher, doch noch nie ging es derart schnell; noch nie war der Durchdringungsgrad der Gesellschaft derart hoch; und noch nie konnten Menschen solchermaßen gezielt angesteuert und manipuliert werden.  Alternative Wahrheiten, Fake News und Lügenkampagnen: Die schiere Masse an „Berichterstattung“ lässt die Menschen schnell den Überblick verlieren. In dieser Dauerberieselung fällt es den etablierten Medien immer schwerer, sich zu behaupten. Seriöse Journalisten kommen in der Masse von Halbwahrheiten und Realitätsverdrehungen gar nicht mehr nach, die Welt wieder gerade zu rücken. Es erinnert an einen Kampf mit einer Hydra: Kaum ist ein Kopf abgeschlagen, wachsen schon zwei neue nach.

Durch diese Flut an dubiosen Inhalten schwinden Vertrauen und Stellenwert der klassischen Medien. Und das nicht allein in der Bevölkerungsgruppe, die altersbedingt vermutlich noch nie eine Zeitung in den Händen hielt oder bei denen, die schon seit jeher diese Medien ablehnen, weil sie darin Verkündungsorgane eines vermeintlichen „Establishments“ zu erkennen glauben. Ein weiterer und wesentlicher Faktor liegt allerdings in der Grundstruktur des Internets. Es verheißt in vielfältiger Hinsicht sofortige Erfüllung: vom Einkaufen über die Kontaktpflege, bis zur Visualisierung erotischer Fantasien. Alles auf Knopfdruck und möglichst sofort. Auch die Rezeption von Nachrichten verschiebt sich dahin, auf einem Blick gerade so viel Information abzugreifen, wie es eben genügt, um das augenblickliche Bedürfnis zu befriedigen. Das führt dazu, dass Nachrichten nur noch stroboskopartig wie „Schlaglichter“ wahrgenommen werden und die Stichhaltigkeit der Quellen schon durch die schiere Reizüberflutung verschwimmt.

Social Web wird zur Hauptquelle des Nachrichtenkonsums

Die massive Veränderung in der Informationskultur und in der Nutzung der Medien stellt die Gesellschaft vor gewaltige Herausforderungen. Noch spielen die klassischen Medien zwar eine gewichtige Rolle, jedoch überwiegend bei den über 50-jährigen. Vor allem das Fernsehen wird in dieser Bevölkerungsgruppe noch als primäre Nachrichtenquelle genutzt. Das Nutzungsverhalten von Medienkonsumenten unter 30 Jahren sieht hingegen schon anders aus: Nach einer aktuellen Studie von ARD und ZDF verbringen diese täglich knapp sechs Stunden online. Ein großer Teil dieser Zeit wird für die Kommunikation in sozialen Netzwerken genutzt.

Mehr als die Hälfte der 14 bis 24-Jährigen gab in einer Erhebung des Bundesverbandes für Digitale Wirtschaft (BVDW) an, prinzipiell immer online zu sein. Und in der Altersgruppe von 18 bis 29 Jahren geben 36 Prozent an, hauptsächlich Social Media-Plattformen zur Nachrichtenrezeption zu nutzen. Zugleich sind mehr als 75 Prozent der Meinung, dass die verbreiteten Inhalte im Internet oft als unseriös einzustufen sind. Das klingt widersprüchlich: Einerseits ist das Vertrauen in die Information in Internet und in die Inhalte in den sozialen Medien nicht allzu groß, anderseits bilden diese, speziell bei den jüngeren, die primäre Quelle zur Informationsbeschaffung. Liegt es nun daran, dass schon an den Schulen verschlafen wurde, die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen zu fördern oder spiegelt sich darin, dass eine Generation heranwächst, die mit dem Begriff „Wahrheit“ auf völlig ungewohnte Weise umgehen wird?

 

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