Kernkraftwerk

Strahlende Zukunft – zurück zur Kernkraft?

Am 6. und 9. August 1945 vertilgten zwei Feuerbälle die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki. Das Grauen dieser furchtbaren Ereignisse, als die USA die verzerrende Kraft des Atoms entfesselte, grub sich als ewige Mahnung in das kollektive Gedächtnis der Menschheit ein. Mehr als 100.000 Leben wurden innerhalb von Sekunden ausgelöscht. Tausende folgten, in den kommenden Tage, Wochen und Monaten. Sie starben, an den Folgen der Explosion oder gingen an der radioaktiven Verstrahlung langsam zugrunde. Wie hoch die Zahl der Opfer insgesamt ausfällt, lässt sich bis heute nur schätzen. Viele starben noch Jahre oder Jahrzehnte später.

Diese zerstörerische Kraft kann und wird auch für zivile Zwecke genutzt. Seit dem Jahr 1954 liefern Kernreaktoren ganz friedlich Energie. In Deutschland wurde Atomstrom erstmalig am 17. Juni 1961 in Netz gespeist. Das Versuchskraftwerk Kahl, in der Nähe von Großwelzheim in Bayern, lieferte damals ganze 15 Megawatt. Block C des Kraftwerks Gundremmingen, ebenfalls in Bayern gelegen, wird noch bis zu seiner Abschaltung Ende 2021 knapp 1300 Megawatt liefern. Das entspricht mehr als zehn Milliarden Kilowattstunden im Jahr, was ausreicht, um über drei Millionen Haushalte zu versorgen.

Kernreaktoren sind kostengünstig und effizient

In Zeiten global steigender Temperaturen und kaum einzudämmernder Kohlendioxid-Emissionen würden Kernkraftwerke von dieser Warte aus „Sinn machen“. Wegen ihrer zumindest theoretisch sehr langen Betriebsdauer fällt das Verhältnis von Aufwand zum Ertrag positiv aus. Gerade für die Betreiber zahlt sich das ökonomisch aus. Ein komplett abgeschriebenes Kernkraftwerk fährt eine Million Euro Gewinn am Tag ein. Kein Wunder, dass die Energiewirtschaft hierzulande vom Ausstieg aus der Kernkraft überhaupt nicht begeistert war. Spätestens 2022 soll in Deutschland jedenfalls damit Schluss sein. International nimmt Deutschland mit diesem Entschluss aber eher eine Sonderstellung ein. Weltweit sind derzeit 448 Kernkraftwerke in Betrieb. Und mit Nachdruck wird an einem ganz neuen Typ Reaktor getüftelt, der „noch sicherer“ und „noch effizienter“ sein soll. Diese neuen Modelle gehören zur vierten Generation von Kernreaktoren und basieren auf verschiedenen Ansätzen:

  • Beim „Sodium-Cooled Fast Reactor“ (SFR) lagert der Kern in einem Becken aus flüssigem Natrium. Somit kann der Reaktor mit höheren Temperaturen betrieben werden und erzielt einen besseren Wirkungsgrad. Er soll zugleich sicherer sein, als die heute in Arbeit befindlichen Modelle und wiederaufbereitetes Brennmaterial zur Kernspaltung nutzen können. Damit würde das Problem der Endlagerung reduziert.
  • Beim „Very High Temperatur Reactor“ (VHTR) wird Helium zur Kühlung verwendet. Er soll ebenfalls einen besonders hohen Wirkungsgrad aufweisen. Der besondere Clou: Bedingt durch seinen Aufbau, gibt es eine maximale Betriebstemperatur. Liegt diese unterhalb des Schmelzpunktes, kann es eigentlich nicht zur Kernschmelze kommen.
  • Der „Lead-Cooled Fast Reactor“ (LFR) kann 15 bis 20 Jahre ohne neuen Brennstoff auskommen. Seine Baukosten sind allerdings hoch.
  • Ein anderes Konzept ist das vom „Molten Salt Reactor“ (MSR). Bei ihm dient flüssiges Salz einerseits als Kühlmittel, zudem liegt der nukleare Brennstoff ebenfalls in Salzform vor.

Die Befürworter der Nuklearenergie werden nicht müde, darauf hinzuweisen, wie sicher moderne Kraftwerke sind. Das war in der Vergangenheit nicht anders. Und doch kam es schon zweimal zum Super-GAU: 1986 in Tschernobyl und 2011 in Fukushima. Den Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft dürfte also durchaus bewusst sein, wie trügerisch der Glaube an die „Unfehlbarkeit“ der Technik ist. Dennoch befinden sich aktuell 83 Kernkraftwerke weltweit im Bau. Allein in China sollen in den nächsten acht bis zehn Jahren 43 errichtet werden. Und auch unser Nachbar Frankreich denkt gar nicht daran, aus der Nutzung der Atomkraft auszusteigen: 30 bis 40 Reaktoren sind dort bis zum Jahr 2050 geplant. Offensichtlich bleibt die Kraft des Atoms wirtschaftlich derart verlockend, dass die nicht zu leugnenden Gefahren immer noch nicht die notwendige Abschreckung entfalten.

Der Traum von sauberer Kernkraft

Um eine anderen Ansatz, dem früher das Potenzial zugesprochen wurde, die Energienöte der Menschheit ein für alle Mal beseitigen zu können, ist es hingegen still geworden. Die kontrollierte Kernfusion, der Motor, der die Sonne anfeuert und geradezu „unerschöpflich“ Energie produziert, galt als „saubere Kernkraft“ und als zukunftsweisend. Seit 2011 wird im südfranzösischen Cadarache am „Internationalen Thermonuklearen Experimentellen Reaktor“ (ITER) gebaut. Derzeit ist Halbzeit beim Projekt. Bei diesem Tempo wird die Versuchsanlage jedoch frühestens 2025 fertiggestellt werden. Verzögerungen und Kostenexplosion haben inzwischen viele Kritiker auf den Plan gerufen. Ursprünglich sollte die gesamte Anlage vier Milliarden Euro kosten. Aktuell haben sich die Kosten vervierfacht. Zudem sind wesentlich technische Probleme noch immer nicht gelöst, wie die Abfuhr der entstehenden Hitze.

Kernfusion läuft bei vielen Millionen Grad ab. Im Vergleich mit einem klassischen Atomreaktor ist die Gefahr der Verstrahlung zwar eher vernachlässigbar, käme es aber zu einem Unfall, würde die unkontrolliert freigesetzte Hitze, das umliegende Land geradezu „verdampfen“ lassen. Neben den Kosten und den technischen Hürden, stellt sich noch die Frage, ob die Kernfusion überhaupt rechtzeitig kommen würde, um einen wesentlichen Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel zu leisten? Gerade hierbei zeigt sich, dass Deutschland, das so vorbildhaft aus der unberechenbaren Atomkraft ausstieg, an anderen Fronten dieses torpediert. Immer noch wird hierzulande auf Kohlekraftwerke gesetzt; ebenso bleibt es, in puncto emissionsfreien Automobilverkehr, weiterhin bei alibihaften Bekenntnissen.


Quellen:

  • Wikipedia
  • Spektrum.de
  • Tagesspiegel.de

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