Digital Nativ

Das Karrieredesaster der Millennials

von Giuseppe Natale:

In was für einer fortschrittlichen Welt wir doch leben! In Zeiten austauschbarer Medien, wird die Nutzung digitaler Lösungen im Alltag immer intensiver. Insbesondere die Millennials, gemeint sind die um die Jahrtausendwende geborenen, auch Generation Y genannt, lernten die Vorzüge der vernetzen Welt zu nutzen und wertzuschätzen. Von der anfänglichen Übersichtlichkeit des Internets ist heute aber kaum noch etwas geblieben. Die schiere Zahl an Online Shops, Social Media-Plattformen oder TV- und Serienanbietern sind immens angewachsen und werden künftig sicher nicht weniger werden. Jedes noch so extravagante Produkt kann einfach per Mausklick schnell und unkompliziert auf Amazon oder ähnlichen Online-Stores bezogen werden; jeder „schönheitsbewusste“ User hat die Möglichkeit seinen Content unlimitiert auf Instagram mit aller Welt zu teilen und jeder Serienjunkie kann On Demand seine favorisierte Serie von Netflix beziehen.

Wie schnell sich viele von uns an diesen Luxus gewöhnten, der jetzt zum normalen Standard zählt, ist erschreckend. Jedes Bedürfnis kann auf Abruf befriedigt werden, und eine Grenze für den Konsum scheint nicht zu existieren. Vielleicht würden einige Menschen bei einem plötzlichen Komplettausfall des Internets sogar verhungern: Ohne Lieferando wären sie womöglich nicht mehr im Stande, an Lebensmittel zu gelangen. Klingt zugegebenermaßen leicht überzogen, führt solch ein Lebensstil aber nicht genau zu solchen Extremen?

Auswirkungen auf die eigene Persönlichkeit

Die veränderte Medienlandschaft und deren exzessive Nutzung haben zwangsläufig einen unmittelbaren Einfluss auf unsere Persönlichkeit. Die permanente Verfügbarkeit von solchen Angeboten und deren unproblematische Abrufbarkeit, führen unterbewusst zu einer irrigen Selbstverständlichkeit und parallel zu einer gesteigerten Ungeduld. Wir wollen nicht mehr Warten und sehen keine Notwendigkeit, uns anzupassen.

Zalando: „Lieferung innerhalb eines Werkstags“. Was sich nach einem großartigen Service anhört, führt bei Nichteinhaltung schon beinahe zu Schnappatmung. Die Steuerung unseres Lebens durch das Internet bietet zudem die Möglichkeit, in vollkommener Isolation zu leben. Cocooning wird dieses Phänomen genannt und ist bei einigen Menschen bereits gelebte Realität. Es gibt keinen Grund mehr, die eigenen vier Wände zu verlassen, weil die umgebenden Strukturen es erlauben. Home Office, Essen auf Abruf, mit Freunden sekundenschnell kommunizieren – alles im Sorglospaket der digitalen Kanäle.

Millennials und ihr Bezug zum Arbeitsleben

Die durch die digitalen Angebote veränderte Persönlichkeit wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus. Im Privaten, wie natürlich auch beruflich. Millennials sind besonders stark betroffen. Ihre Ungeduld wirkt sich negativ auf ihr Verhalten im Job aus, gerade wenn es darum geht, die schwierige Einstiegsphase zu bewältigen, mit unangenehmen Kollegen langfristig zusammenzuarbeiten oder die nächste Beförderung abzuwarten. Viele greifen in solch einer Situation zur einfachsten Lösung: Der Kündigung. Dies spiegelt sich auch in der hohen Quote an Studien-Abbrechern wider, als auch bei denen, die ihre Lehre nicht beenden.

Fast jeder hegt heutzutage die überzogene Erwartung in seinem Job aufzugehen und strebt nach der schneslltmöglichen Erfüllung. Kaum jemand ist noch im Stande, harte Zeiten auszusitzen oder sich unangenehmen Situationen zu stellen. Alle möchten den einfachen Weg gehen und idealerweise den Erfolg noch mit möglichst viel Spaß verbinden. Das ist das kollektive Credo! Warum auch nicht? Es wurde jahrelang von allen Seiten suggeriert: Mache einfach das, was dir Spaß macht. Kein Wunder also, dass sich früher oder später die Ernüchterung einstellt. Während vor einem Jahrzehnt noch vom „Malochen“ gesprochen wurde, sollen heute alle ihren Job lieben und sich mit ihm identifizieren. Vor diesem Hintergrund erscheint es geradezu einleuchtend, dass der Traumberuf für viele Millennials Youtube-Star oder Instagram-Model ist. Auch in Punkto Sozialverhalten gibt es Nachholbedarf: Im Pausenraum nebeneinander sitzend, verbringen wir unsere Zeit lieber damit, uns mit dem Smartphone zu belustigen, statt mit unserem Tischnachbarn eine vernünftige Unterhaltung zu führen.

Warum ausgerechnet Millennials davon so stark und häufig betroffen sind, hängt sicher auch damit zusammen, dass sie der Generation angehören, die mit der digitalen Revolution und ihren Chance wie Risiken groß wurde, während sie gleichzeitig diejenigen sind, die sich nun frisch im Berufsleben befinden. Folgende Generationen, wie die Generation Z, könnten diesem Trend durchaus folgen.

Für die Zukunft die Einstellung überdenken

Die steigende Komplexität und die zunehmende Vernetzung des Internets werden nicht aufzuhalten sein. Im gleichen Maße werden Komfort und das Ausmaß an Serviceangeboten weiter wachsen. Und das ist auch gut so. Es geht nicht darum, den avancierenden digitalen Fortschritt verantwortlich zu machen, sondern über unser eigenes Verhältnis zu den Medien und deren Nutzung zu reflektieren. Wünschen wir uns hilfsbereite Kollegen und Vertrauenspersonen im Job, sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass es lohnt, auch selbst solche zu sein. Wenn wir im Job erfolgreicher werden wollen, sollten wir darauf achten, jeden Tag uns selber zu fordern und unsere Komfortzone zu verlassen. Das ist der erste Schritt um im Berufs- und Privatleben gleichermaßen erfolgreich zu sein.

Wir dürfen enthusiastisch bleiben und dürfen uns auch guten Gewissens auf zukünftige Innovationen freuen. Welche Konsequenzen die gedankenlose Nutzung solcher Innovationen für uns als Individuen mit sich bringt und wie sehr wir uns davon beeinflussen lassen, müssen wir selber entscheiden.

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